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Was wäre, wenn Ernährung so selbstverständlich zur Stadt gehörte wie Bibliotheken, Schwimmbäder oder die städtischen Bühnen?
Wenn Kultur öffentlich gefördert wird – warum nicht auch Essen? Vielleicht müssen wir Ernährung erst als Kunst begreifen, um sie für alle zugänglich zu machen. #ÖNVP – Öffentliche Nahverpflegung für alle
Trad is a Trap. Der Titel ist Kampfansage und Zukunftsentwurf zugleich. Hinter dem Projekt „Für eine neue Frankfurter Stadtteilküche“ steht die Idee, Ernährung nicht länger als Privatsache zu betrachten, sondern als öffentliche Aufgabe. Vom 9. August bis 5. September entsteht im Frankfurter Riederwald ein künstlerisches Experiment, das eine einfache, aber weitreichende Frage stellt: Was wäre, wenn gutes Essen für alle Menschen genauso selbstverständlich zugänglich wäre wie Bibliotheken, Schwimmbäder oder öffentliche Verkehrsmittel?
Mitten auf einem öffentlichen Platz wird eine professionelle Küche aufgebaut. Doch hier geht es um weit mehr als ums Kochen. Die Stadtteilküche versteht sich als soziale Bühne, politischer Treffpunkt und Labor für neue Formen des Zusammenlebens. Aus geretteten Lebensmitteln entstehen gemeinsame Mahlzeiten, aus Gesprächen Ideen, aus Nachbarschaft Gemeinschaft. Die Besucher*innen sind dabei nicht Publikum, sondern Teil des Projekts.
Gleichzeitig setzt sich „Trad is a Trap“ kritisch mit traditionellen Rollenbildern auseinander. Während in sozialen Medien die Figur der „Trad Wife“ als vermeintliches Ideal weiblicher Fürsorge romantisiert wird, fragt das Projekt, warum Sorgearbeit und Ernährung noch immer überwiegend privat organisiert werden. Statt die Verantwortung Einzelnen aufzubürden, plädiert die Initiative für kollektive Lösungen und öffentliche Versorgungsstrukturen.
Dabei knüpft das Vorhaben an historische Beispiele solidarischer Ernährung an – von den Erwerbslosenküchen der 1920er Jahre bis zu den chilenischen „Ollas Comunes“, die in Zeiten politischer Krisen zu Orten des Widerstands wurden. Im Riederwald wird diese Geschichte nun weitergeschrieben – als produktive Utopie für das Frankfurt von morgen.
Besonders brisant: Im Stadtteil fehlen Betreuungsplätze für Kinder und damit oft auch der Zugang zu gesicherten Mittagessen. Gleichzeitig stehen geeignete Räume leer. Die Stadtteilküche macht diese Widersprüche sichtbar und schlägt konkrete Alternativen vor.
„Trad is a Trap“ ist deshalb mehr als ein Kunstprojekt. Es ist ein Aufruf, Ernährung neu zu denken: als Teil öffentlicher Daseinsvorsorge, als Ausdruck von Solidarität und als Grundlage eines sozialen Miteinanders. Die Botschaft lautet: Eine andere, sorgende Stadt ist möglich – und sie beginnt vielleicht mit einem gemeinsamen Essen.
Im September wandert die Stadtteilküche dann weiter ins Künstler:innenhaus Mousonturm im Rahmen des „How to Make a Life“ Festivals, vom 17. September bis zum 4. Oktober.
>> 9.8.-5.9., Stadtviertelküche Riederwald (Platz vor der Philippuskirche/Raiffeisenstr. 70-72, Frankfurt, wdc2026.org/de/events/great-grand-opening-der-stadtviertelkueche-riederwald