Frankfurt richtet den Blick bis 2040: Der Magistrat hat eine langfristige Strategie für das Bahnhofsviertel beschlossen, die Projekte, Zuständigkeiten und Finanzierungsvorschläge in einem rund 100 Seiten starken Abschlussbericht bündelt. Kern ist ein Zielkompass, der Maßnahmen quer über alle Dezernate ausrichtet – von Aufenthaltsqualität und Sicherheit über soziale Teilhabe bis zur Nutzungsmischung und Mobilität. Der Ansatz sieht kurzfristige Verbesserungen und zugleich strukturelle Lösungen vor.
Der Prozess wurde als kooperativer Think-Tank aufgesetzt. Zwischen Mai und November 2024 entwickelten rund 45–50 Vertreter:innen aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Kultur, Sozialarbeit, Sicherheitsbehörden und Zivilgesellschaft in mehreren Workshops Ideen und konkretisierten sie zu Projektsteckbriefen. Damit setzt die Stadt ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag um und verankert ressortübergreifende Zusammenarbeit für ein „Viertel für alle“.
Projektidee Rausch:museum
Als diskussionsprägendes Vorhaben hebt die Strategie die Idee eines „Rausch:museums“ hervor. Vorgesehen ist ein Ort, der Kulturgeschichte und Gegenwart des Rauschs, den Frankfurter Weg der akzeptierenden Drogenpolitik und die Spezifik des Bahnhofsviertels dokumentiert, erklärt und zur Debatte stellt. Als potenzieller Standort wird der Karlsplatz genannt – ein sensibler Ort, an dem Aufklärung, Prävention und städtebauliche Aufwertung zusammenwirken sollen. Im Konzept ist von einer Dauerausstellung, Flächen für Wechselausstellungen, einem Veranstaltungsbereich mit Auditorium/Kino sowie einer „Begegnungszone ohne Konsumzwang“ im Außenraum die Rede. Der Ansatz: Bildung und Öffentlichkeit schaffen, Tagesbesucher:innen anziehen, soziale Durchmischung stärken – und damit das Umfeld stabilisieren. Die Idee wird in regionalen Medien als Teil der 2040-Strategie aufgegriffen. Berichtet wird, dass der Magistrat den Rahmen gesetzt habe, konkrete Realisierungsbeschlüsse aber noch ausstünden. Zugleich wird auf kontroverse Reaktionen hingewiesen; Befürworter:innen verweisen auf Aufklärung und Prävention, Kritiker:innen warnen vor Symbolpolitik. In jedem Fall bringt das Projekt eine kulturpolitische Dimension in die Debatte um Ordnung, Sicherheit und Hilfen im Viertel.
Sicherheit, Ordnung, Hilfe
Parallel zur Kultur- und Bildungsachse nennt die Strategie einen Katalog kurzfristiger und mittelfristiger Maßnahmen: mehr Licht an neuralgischen Punkten, Aufwertung von Durchgängen und Plätzen, zusätzliche Notrufsäulen sowie gestärkte Präsenz im öffentlichen Raum. Der Maßnahmenmix soll subjektives Sicherheitsgefühl und tatsächliche Nutzbarkeit des Stadtraums erhöhen – und Konflikte schrittweise reduzieren. Projektsteckbriefe ordnen Zuständigkeiten, Zeithorizonte und mögliche Finanzierungen zu. Städtebaulich setzt die Stadt auf Aufwertungen, bessere Wegebeziehungen und mehr Aufenthaltsqualität. Genannt werden – unabhängig von einem Museum – u.a. fußgängerfreundliche Räume und ergänzende Nutzungen im Erdgeschoss. Diese räumlichen Schritte werden ausdrücklich mit der sozialen Stabilisierung verknüpft: Hilfsangebote für vulnerable Gruppen, Rückzugs- und Beratungsräume sowie niedrigschwellige Unterstützung
Für 2026 ist Frankfurt/Rhein-Main als World Design Capital vorgesehen. In diesem Kontext wird eine temporäre Ausstellung zum Thema Rausch als Brückenschlag diskutiert – als Testlauf, wie Bildung, Gestaltung und Sozialraum produktiv zusammenfinden könnten. Ob daraus ein dauerhaftes Rauschmuseum erwächst, hängt von Beschlüssen, Finanzierung und der Akzeptanz im Viertel ab. Die Strategie liefert dafür den Rahmen; die nächsten Monate sollen zeigen, wie schnell Pilotmaßnahmen greifen und welche Projekte Priorität erhalten.
Der Abschlussbericht „Strategie Bahnhofsviertel 2024–2040“ steht online (frankfurt.de) als Download zur Verfügung. Interessierte Akteur:innen können die Leitlinien, Ziele und Projektsteckbriefe einsehen und mit eigenen Beiträgen an der Umsetzungsphase mitwirken.