Mitte März wählen Hessens Kommunen – und die Politik steht vor einer zentralen Aufgabe: Sie muss den Menschen deutlich machen, wie viel in ihren Händen liegt.
Redaktion: Heidi Zehentner
Am 15. März sind in ganz Hessen wieder Kommunalwahlen. Seit Wochen hängen Plakate an Laternen, treiben Parteien und Initiativen ihre Wahlkampagnen voran. Doch ob das reicht, um die Wahlbeteiligung spürbar über die mageren 50,1 Prozent der letzten Wahl zu heben, ist fraglich. Dabei entscheidet sich gerade auf kommunaler Ebene, wie Städte und Gemeinden auf Wachstum, Klimakrise, soziale Fragen oder Infrastruktur reagieren. Hier werden die Weichen gestellt – nicht abstrakt, sondern unmittelbar spürbar im Alltag. In Frankfurt zeigt ein Blick auf die vergangenen Monate eindrucksvoll, wie tiefgreifend kommunale Entscheidungen das Leben in der Stadt prägen. Die Stadtverordneten des Römerparlaments haben Projekte auf den Weg gebracht, die Frankfurt über Jahrzehnte verändern werden: Im Nordwesten soll ein komplett neuer Stadtteil für rund 17.000 Menschen entstehen. Die Autobahn 661, bislang eine Schneise durch die Stadtteile, wird abschnittsweise überdeckelt – darüber sind neue Wohnungen und Grünflächen geplant. Mitten in der City nimmt das Vorhaben eines neuen Opern- und Schauspielhauses Gestalt an, ein Kulturprojekt der Milliardenklasse. Und am Stadion entsteht eine Großarena für Konzerte und Sportveranstaltungen, die weit über die Region hinausstrahlen dürfte.
Kommunale Politik kann viel bewegen. Demokratie beginnt vor der Haustür. Und sie funktioniert nur, wenn möglichst viele sie mitgestalten.
Wahlergebnis Kommunalwahl 2021
CDU – 28,5 Prozent
SPD – 24 Prozent
Grüne – 18,4 Prozent
AfD – 6,9 Prozent
FDP – 6,7 Prozent
Linke – 4 Prozent
BFF – 2 Prozent
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Frankfurt
Kurs halten in Richtung Zukunft
Wenn die Frankfurter Grünen in den Kommunalwahlkampf 2026 starten, tun sie das selbstbewusst: als stärkste Kraft der vergangenen Wahlperiode und mit dem Anspruch, eingeschlagene Wege konsequent weiterzugehen. Ihr zentrales Versprechen lautet, Frankfurt widerstandsfähiger, lebenswerter und zukunftsfähiger zu machen – ökologisch, sozial und städtebaulich klug.
Besonderen Fokus legt die Partei auf die Mobilität in der Stadt. Während die Verkehrswende vielerorts stockt, betonen die Grünen die Notwendigkeit eines intelligenten Zusammenspiels aller Verkehrsmittel. Bahn, Auto, Fahrrad und Fußverkehr sollen nicht gegeneinander ausgespielt, sondern besser aufeinander abgestimmt werden. Ihr Ziel: ein gerechtes, funktionierendes und klimafreundliches Mobilitätssystem, das den Alltag entlastet statt erschwert.
Gleichzeitig bleibt der Klimaschutz der thematische Fixpunkt. Die Grünen möchten Frankfurt gezielt auf die Auswirkungen der Klimakrise vorbereiten – mit mehr Hitzevorsorge, nachhaltiger Stadtentwicklung und konsequenten Anpassungsstrategien. Dabei verweisen sie auf Erfolge der vergangenen Jahre, sehen aber keine Zeit für Selbstzufriedenheit. Die Herausforderungen wachsen schneller als die Antworten, so ihr Credo.
Ein weiteres Schlüsselthema ist der Wohnungsmarkt. Frankfurt wächst, doch bezahlbarer Wohnraum bleibt knapp. Hier setzen die Grünen auf einen doppelten Ansatz: Neubau, wo es städtebaulich sinnvoll ist, und gleichzeitige Bewahrung urbaner Qualitäten. Die Fehler vergangener Jahrzehnte – großräumiges „Zupflastern“, Verlust von Grün- und Freiflächen – sollen sich nicht wiederholen. Stattdessen möchten sie verdichtete Stadtteile smart weiterentwickeln und neue Quartiere klimagerecht planen.
Über allem steht die Frage, wie Frankfurt im Jahr 2030 und darüber hinaus aussehen soll. Für die Grünen bedeutet das: Lebensqualität sichern, Umwelt schützen, soziale Gerechtigkeit stärken.
Mit dieser Mischung aus Pragmatismus und Zukunftsambition positionieren sie sich als die progressive Kraft in Frankfurt, die anpacken will, ohne ihre Grundsätze aus dem Blick zu verlieren.
Volt Frankfurt
Volt Frankfurt versteht sich als Teil einer paneuropäischen, progressiven Reformbewegung und positioniert sich zur Kommunalwahl 2026 als pragmatische, lösungsorientierte Kraft. Die Partei betont, dass viele Herausforderungen – darunter Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Zukunftsfragen – europäisch gedacht und lokal umgesetzt werden müssen. Seit ihrem erfolgreichen Einzug 2021 habe Volt als Teil der Regierungskoalition aktiv an der Modernisierung der Stadtverwaltung, an Transparenzmaßnahmen und an bürgernaher Beteiligung gearbeitet. Im Programm wird der Anspruch bekräftigt, Frankfurt europäischer, zukunftsorientierter und resilienter zu machen. Volt setzt generell auf Zusammenarbeit, wissenschaftsbasierte Politik und moderne, nachhaltige Stadtentwicklung.
DIE LINKE
Die Linke Frankfurt geht mit dem Anspruch in die Kommunalwahl 2026, die Stadt sozialer und klimagerechter zu gestalten. Im Mittelpunkt stehen bezahlbarer Wohnraum, soziale Gerechtigkeit und eine stärkere öffentliche Daseinsvorsorge. Die Partei plant jährlich mindestens 1.000 neue Sozialwohnungen sowie zusätzliche Mittel für den Ankauf von Wohnraum. Öffentlicher Boden soll per Erbpacht vergeben werden. Zudem setzt sich die Linke für bessere Arbeitsbedingungen ein, etwa durch Tariftreue bei öffentlichen Aufträgen und einen städtischen „Frankfurt-Zuschlag“ für Beschäftigte. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau des ÖPNV, um Mobilität klimafreundlicher zu gestalten. Die Linke betont, Frankfurt zu einer Stadt machen zu wollen, in der alle Menschen gut leben können – mit fairen Löhnen, verlässlicher Bildung und sozialem Ausgleich.
FDP
Die FDP Frankfurt stellt Freiheit, Eigenverantwortung und wirtschaftliche Stärke in den Mittelpunkt ihres Wahlprogramms für 2026. Ziel ist eine Verwaltungsmodernisierung, die Entscheidungen beschleunigt und digitale Prozesse ausbaut. In der Mobilität setzt die FDP auf Wahlfreiheit statt Einschränkungen und will bürokratische Hürden abbauen, um Infrastruktur und Verkehr effizienter zu gestalten. Der Wirtschaftsstandort Frankfurt soll durch offene Märkte, technologieoffene Lösungen und stabile Rahmenbedingungen gestärkt werden. Die FDP betont zudem die Bedeutung von Sicherheit, fordert eine moderne Polizei und konsequente Rechtsdurchsetzung. Beim Thema Wohnen setzt sie auf mehr private Investitionen statt staatlicher Regulierung. Insgesamt wirbt die Partei für ein dynamisches, innovationsfreundliches und lebenswertes Frankfurt.
BFF
Die Bürger Für Frankfurt (BFF) treten zur Kommunalwahl 2026 mit dem Ziel an, zentrale Bereiche der Stadtpolitik neu auszurichten. Im Fokus steht die Stärkung von Sicherheit und Ordnung: mehr Personal für Stadtpolizei und Ordnungsamt, eine mobile Wache am Karlsplatz sowie intensiveres Vorgehen gegen Drogenhandel und organisierte Bettelei. Weitere Schwerpunkte sind Sauberkeit im öffentlichen Raum („Frankfurt glänzt“) und eine Mobilitätspolitik, die die freie Verkehrsmittelwahl betont. Der Masterplan Mobilität soll überarbeitet, der Mainkai nicht gesperrt werden. Radwege an Hauptstraßen sollen geprüft und gegebenenfalls verlegt werden. Ziel ist eine funktionale, bedarfsorientierte Stadtentwicklung.
DR. INA HARTWIG UND KOLJA MÜLLER TRETEN ALS SPITZENDUO FÜR BEZAHLBARE MIETEN, KOSTENLOSE BILDUNG, EINE SAUBERE STADT UND EINE STARKE WIRTSCHAFT EIN.
SPD will Frankfurt für Alle machen.
Frankfurt ist laut, schnell, widersprüchlich. Ob eine Stadt funktioniert, zeigt sich selten in großen politischen Debatten, sondern im Alltag – wenn Wohnen bezahlbar bleibt, Betreuung organisiert ist, Termine erreichbar sind und das eigene Viertel lebenswert wirkt.
Die SPD beschreibt ihre Politik häufig aus dieser Perspektive. Spitzenkandidat Kolja Müller verweist dabei gern auf seine Kindheit auf Frankfurter Bolzplätzen zwischen Hochhäusern. Entscheidend sei dort nicht Herkunft gewesen, sondern Zusammenhalt. Heute lenkt er den Blick auf Bildung und Betreuung: mehr Kita-Plätze, zusätzliche Fachkräfte, bessere Startbedingungen für Kinder. Zugleich gehören für ihn bezahlbarer Wohnraum, ein Mietenstopp bei städtischen Gesellschaften, zusätzliche geförderte Wohnungen sowie Entlastungen bei den Energiekosten zu den zentralen sozialen Fragen der Stadt. Kulturdezernentin Ina Hartwig verbindet politische Ziele oft mit persönlichen Erfahrungen. Sie erinnert sich an frühe Theaterbesuche und beschreibt Kultur als Ort gemeinsamer Erfahrung. In ihrer Arbeit setzt sie auf breitere Zugänge: kostenfreier Eintritt für Kinder und Jugendliche in Museen und Zoo, stärkere Förderung der freien Szene und neue kulturelle Räume in den Stadtteilen. Kultur, so ihre Sicht, beeinflusst auch, ob Menschen sich in einer Stadt zugehörig fühlen.
Neben diesen Schwerpunkten nennt die SPD weitere konkrete Vorhaben: schnellere Abläufe in Bürgerämtern und mehr digitale Services, zusätzliche Kita-Plätze, Investitionen in saubere und sichere Quartiere sowie einen verlässlicheren öffentlichen Nahverkehr. Ziel sei es, Veränderungen vor allem dort spürbar zu machen, wo sie den Alltag betreffen. Im Kern steht die Vorstellung einer Stadt, die bezahlbar bleibt, offen wirkt und für möglichst viele Menschen funktioniert.
VON DR. NILS KÖSSLER, CDU-SPITZENKANDIDAT FÜR DIE KOMMUNALWAHL AM 15. MÄRZ 2026
Frankfurt hat den Politikwechsel verdient!
Sicherheit, Sauberkeit, Schulen, Wohnen und Verkehr: die Lösungen
Wohnen muss in Frankfurt wieder bezahlbar sein. Deshalb setzen wir auf mehr Wohnungsbau durch Dachausbauten und Aufstockungen bestehender Gebäude. Gleichzeitig senken wir Hürden für Bauwillige, etwa durch Anpassungen im Baulandbeschluss und bei den Milieuschutzsatzungen. Besonders wichtig ist uns die Unterstützung von Haushalten mit mittlerem Einkommen, die bislang durchs Raster der Förderung fallen. Mit der Einführung unseres städtischen Wohngeldes und der Senkung der Grundsteuer werden alle Haushalte effektiv entlastet.
Der Verkehr muss bestmöglich organisiert werden, nicht ideologisch: Auf Staustraßen wollen wir neue rote Radwege überprüfen und bei Bedarf korrigieren, während der öffentliche Nahverkehr durch den Ausbau wichtiger U- und Straßenbahnlinien gestärkt werden soll, damit mehr Menschen freiwillig umsteigen. Mit einer konsequenten Durchsetzung der Verkehrsregeln beenden wir den derzeitigen Wilden Westen im Straßenverkehr. Gute Bildung beginnt mit guten Schulen: Schulbau und Sanierungen sollen deutlich beschleunigt und vorhandene städtische Liegenschaften endlich auch genutzt werden. Beim Ganztag stehen flexible Angebote für uns im Mittelpunkt. Die nötigen Betreuungskräfte wollen wir unbürokratisch für Frankfurt gewinnen, auch international.
Sicherheit und Sauberkeit sollen als Grundvoraussetzungen für Lebensqualität gestärkt werden, etwa durch eine Aufstockung der Stellen bei der Stadtpolizei um 50 % und deren Einsatz an Brennpunkten wie dem Bahnhofsviertel. Den Einsatz von Videotechnik im öffentlichen Raum weiten wir gezielt aus, um die Prävention zu verbessern und Straftaten schneller aufzuklären. Mit der „Schnellen Eingreiftruppe Sauberkeit“ und einer konsequenten Durchsetzung von Bußgeldern möchten wir Frankfurt sicher, sauber und noch lebenswerter machen.