1 von 3
Markus Krösche, Albert Riera & Axel Hellmann
2 von 3
3 von 3
Eintracht Frankfurt hat einen neuen Chef an der Seitenlinie – und dieser Einstand war alles andere als gewöhnlich. Als Albert Riera Anfang Februar 2026 im Deutsche Bank Park seine erste Pressekonferenz gab, wurde schnell klar: Dieser Trainer ist kein Mann der leisen Töne. Er ist laut, direkt, emotional – und überzeugt davon, dass sein Weg funktionieren wird.
Redaktion: Heidi Zehentner
Die Statements, die der 43-jährige Spanier bei seinem ersten öffentlichen Auftritt abgab, kursierten innerhalb weniger Minuten durch die Fußballnation. Nicht, weil sie provokant wären, sondern weil sie eine radikale Selbstsicherheit transportieren, die der Eintracht zuletzt gefehlt hat. Schon in den ersten Minuten zeichnete sich ab, dass Riera Frankfurt verändern will. „Die Spieler wollen Lösungen und Klarheit darüber, was zu tun ist – genau das werde ich angehen“, erklärte er mit ruhiger, aber entschlossener Stimme. Er wolle seine Mannschaft stärken, ihr Selbstbewusstsein zurückgeben und eine Mentalität formen, die Risiken zulasse, statt Angst vor Fehlern zu haben. Das Wichtigste sei der Fortschritt – Entwicklung statt Stillstand.
Springt vom Balkon
Doch der Moment, der die Schlagzeilen dominierte, war ein Satz, der später fast schon zum Meme wurde. Auf die Frage, woher seine enorme Überzeugungskraft komme, antwortete der Spanier:
„Ich bin so überzeugt von dem, was ich tue, dass wenn ich sage: ‚Springt vom Balkon‘, sie springen werden.“ Hinter diesem drastischen Bild stehe jedoch kein Autoritarismus, sondern der Anspruch, seine Spieler so klar und nachvollziehbar zu führen, dass sie ihm folgen, weil sie überzeugt sind – nicht aus blindem Gehorsam. „Vielleicht habe ich einen Zauberstab“, ergänzte er lachend. „Aber glauben Sie mir: Sie werden mir folgen.“
Sportlich skizzierte Riera eine Spielidee, die in Frankfurt frischen Wind bringen soll: aggressiv, mutig, aktiv. Der Stürmer sei der erste Verteidiger, erklärte er. Seine Mannschaft solle den Gegner jagen, ihn „nicht atmen lassen“ und sofort pressen, sobald der Ball verloren geht. Attraktiv solle der Fußball sein, vertikal, voller Bewegung und mit der klaren Absicht, Spiele zu dominieren statt zu reagieren. „Wir werden pressen“, stellte er klar – eine Ankündigung, die direkt aus den Worten eines Trainers kommt, der den modernen Fußball verinnerlicht hat.
Zusätzlich führte Riera drei Grundregeln ein, die ab sofort gelten sollen: Erstens müsse man sich im Team respektieren – als Menschen und als Profis. Zweitens spiele man, wie man trainiert. Und drittens solle sich jeder Spieler täglich die Frage stellen: Was kann ich dem Team mit und ohne Ball geben? Seine Ansagen sind direkt, seine Energie spürbar. Beobachter berichten, dass selten ein neuer Trainer der Eintracht mit so viel Feuer gestartet ist.
Trainerleben als Leidenschaft
Auch abseits des Spielfelds bringt Riera eine beeindruckende Vita mit. Seine Trainererfahrung reicht von Slowenien über Frankreich bis hin zu Erfolgen mit Celje und Ljubljana, mit denen er Pokal- und Meistertitel gewann. Frankfurt erwartet einen Coach, der bereits bewiesen hat, dass er Teams strukturieren und entwickeln kann. „Wir haben uns bewusst für einen Trainer entschieden, der für modernen, intensiven und offensiven Fußball steht“, sagte Sportvorstand Markus Krösche.
Riera selbst beschreibt sein Trainerleben als Leidenschaft, beinahe als Berufung. „Ich liebe, was ich tue“, sagte er – und man nahm es ihm ab. Seine Vorstellung war durchzogen von Emotionen, aber auch von klaren strategischen Vorstellungen. Er wolle etwas formen, langfristig aufbauen, Strukturen schaffen, die über seine Anwesenheit hinaus Bestand hätten. Die Bundesliga habe er schon lange im Blick, erzählte er. Nun wolle er zeigen, dass sein Fußball auch hier zum Erfolg führen kann.
Für die Eintracht beginnt damit eine neue Ära: ein Trainer mit internationaler Erfahrung, einer unverkennbaren Vision und einer Persönlichkeit, die man so schnell nicht vergisst. Der Profifußball braucht Typen – und Eintracht Frankfurt hat einen gefunden. Seine ersten Worte hatten Wucht, seine O-Töne gingen viral, seine Überzeugung ist nahezu unerschütterlich. Ob dieser Mut und diese Energie am Ende sportlichen Erfolg bringen, wird sich auf dem Platz zeigen. Doch eines steht schon jetzt fest: Albert Riera hat in Frankfurt einen Eindruck hinterlassen, bevor er überhaupt ein Spiel geleitet hat.