PowerFabrik.de
Der Markt für Manuka-Honig boomt, und mit ihm die Fragen nach Echtheit, Wirksamkeit und Qualität. Was macht den Honig aus Neuseeland so besonders, dass Verbraucher bereit sind, dafür ein Vielfaches des Preises herkömmlicher Sorten zu zahlen? Die Antwort liegt in einer kleinen chemischen Verbindung mit großer Wirkung: MGO, kurz für Methylglyoxal. Es ist der Stoff, der Manuka-Honig seine einzigartige Kraft verleiht und zugleich das entscheidende Kriterium für seine Qualität. Doch wie wird dieser Wert gemessen, was sagt er tatsächlich aus, und wie lässt sich Transparenz im globalen Honighandel sicherstellen?
Darüber sprach die Redaktion mit Alexander Morof, Geschäftsführer der Powerfabrik, die sich auf den Vertrieb und die Qualitätsprüfung von Manuka-Honig spezialisiert hat. Ein Gespräch über Laboranalysen, Verantwortung gegenüber Verbrauchern und die feine Grenze zwischen Naturprodukt und wissenschaftlicher Präzision.
Redaktion: Herr Morof, Manuka-Honig gilt inzwischen fast als Goldstandard unter den Honigen. Kaum ein anderes Naturprodukt wird mit so viel wissenschaftlicher Präzision vermarktet. Der entscheidende Faktor scheint der MGO-Wert zu sein. Was genau steckt dahinter?
Alexander Morof: Der MGO-Wert ist tatsächlich der Kern, wenn es um die Qualität von Manuka-Honig geht. MGO steht für Methylglyoxal, eine natürlich vorkommende Verbindung, die im Nektar der neuseeländischen Manuka-Pflanze entsteht. Das Besondere ist: Dieses Methylglyoxal bildet sich erst nach der Ernte, also während der Reifung des Honigs, aus einer anderen Substanz namens DHA, Dihydroxyaceton. Die Konzentration von MGO entscheidet letztlich über die Wirkstärke des Honigs. Wenn auf einem Etikett also „MGO 550+" steht, bedeutet das, dass in einem Kilogramm Honig mindestens 550 Milligramm Methylglyoxal enthalten sind.
Redaktion: Das klingt nach einer ziemlich technischen Angelegenheit. Wie kam es dazu, dass ein Naturprodukt so stark wissenschaftlich bewertet wird?
Morof: Das war eine spannende Entwicklung. In den 1980er-Jahren haben Forscher in Neuseeland festgestellt, dass Manuka-Honig eine außergewöhnlich hohe Aktivität besitzt, deutlich höher als normaler Blütenhonig. Anfangs dachte man, das läge am hohen Gehalt an Wasserstoffperoxid, aber das konnte nicht die ganze Wirkung erklären. Erst einige Jahre später gelang der Nachweis, dass Methylglyoxal der eigentliche Wirkstoff ist. Ab diesem Moment war klar: Manuka-Honig lässt sich wissenschaftlich quantifizieren. Das war ein Wendepunkt, sowohl für die Forschung als auch für die Verbraucher.
Redaktion: Wie prüfen Sie als Unternehmen diese Werte?
Morof: Bei Powerfabrik geht keine Charge ungeprüft in den Verkauf. Jede Lieferung wird in akkreditierten Laboren getestet, sowohl in Neuseeland als auch hier in Deutschland. Die Analysen umfassen neben dem MGO-Wert auch DHA und HMF, das steht für Hydroxymethylfurfural und zeigt an, ob der Honig zu stark erhitzt wurde. Diese drei Werte zusammen geben uns ein sehr genaues Bild von der Qualität und Echtheit. Erst wenn die Laborberichte vorliegen und die Werte im Sollbereich liegen, wird der Honig freigegeben. Wir legen großen Wert darauf, dass Kunden diese Analysen auch einsehen können. Transparenz ist kein Zusatzargument, sondern für uns ein Grundprinzip.
Redaktion: In Supermärkten tauchen immer häufiger Gläser mit Bezeichnungen wie „MGO 250+" oder „UMF 10+" auf. Viele Käufer wissen gar nicht, was der Unterschied ist. Können Sie das einordnen?
Morof: Sehr gern. Beide Systeme, MGO und UMF, kommen ursprünglich aus Neuseeland. UMF steht für Unique Manuka Factor und wurde als Gütesiegel eingeführt, um die Authentizität von Manuka-Honig zu sichern. Der UMF-Wert berücksichtigt neben MGO noch andere Inhaltsstoffe wie DHA und Leptosperin. Der MGO-Wert dagegen misst ausschließlich den Gehalt an Methylglyoxal. Es gibt eine Art Umrechnung: Ein MGO 100+ entspricht etwa einem UMF 5+, ein MGO 550+ etwa einem UMF 15+. Wir haben uns bei Powerfabrik bewusst für die MGO-Skala entschieden, weil sie klar, nachvollziehbar und international verständlich ist.
Redaktion: Warum ist Transparenz bei einem Naturprodukt wie Honig so wichtig?
Morof: Weil Vertrauen der eigentliche Wert ist. Honig ist ein Produkt, das stark von seiner Herkunft lebt. Manuka-Honig kommt ausschließlich aus Neuseeland, und genau dort ist die Nachfrage weltweit so hoch, dass Fälschungen leider ein Thema sind. Studien zeigen, dass weltweit deutlich mehr Manuka-Honig verkauft wird, als überhaupt produziert werden kann. Das bedeutet, es gibt Produkte, die nur teilweise echt sind oder gar kein Manuka enthalten. Wenn ein Verbraucher also bereit ist, für ein kleines Glas 50 Euro oder mehr zu bezahlen, dann muss er sicher sein können, dass er bekommt, was auf dem Etikett steht. Und das lässt sich nur durch unabhängige Laboranalysen garantieren.
Redaktion: Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Imkern und Lieferanten aus?
Morof: Wir arbeiten ausschließlich mit Partnern zusammen, die nachweislich in Neuseeland im Manuka-Anbaugebiet produzieren und über entsprechende Zertifikate verfügen. Die Imkereien liefern den Honig in Fässern, die mit Chargennummern versehen sind. Diese Nummern begleiten den Honig bis ins Glas, so lässt sich jeder Schritt zurückverfolgen. Im Grunde funktioniert das wie bei einer Weinherkunftsprüfung: Jede Ernte hat ihren Ursprung, ihr Klima, ihre Region. Dieses Prinzip der Rückverfolgbarkeit schützt nicht nur den Verbraucher, sondern auch die Produzenten vor Fälschungen.
Redaktion: Viele Menschen verbinden Manuka-Honig mit Gesundheit. Wie sehen Sie das als Unternehmer, zwischen Wissenschaft und Vermarktung?
Morof: Wir müssen da sehr differenziert sein. Manuka-Honig wird in der Wissenschaft seit Jahrzehnten intensiv untersucht, das ist unbestritten. Aber wir vermeiden es, medizinische Versprechen zu machen, weil Honig kein Arzneimittel ist. Es gibt zahlreiche Studien, die den Einsatz bei Wundheilung oder Infekten untersuchen, und die Ergebnisse sind beeindruckend. Dennoch geht es uns als Unternehmen nicht um Heilsversprechen, sondern um Qualität und Authentizität. Wenn ein Produkt echt ist, wirkt es so, wie die Natur es vorgesehen hat.
Redaktion: Gibt es eine Art ideale MGO-Spanne, die Sie Verbrauchern empfehlen würden?
Morof: Ja, man kann grob unterscheiden. Für den täglichen Gebrauch reicht oft ein MGO 250+, etwa zum Süßen von Tee oder Joghurt. Wer bewusst zu einer höherwertigen Qualitätsstufe greifen möchte, sollte zu Werten ab 400+ greifen. Für den intensiveren Gebrauch empfehlen sich Honige mit 800+ oder 1000+. Aber mehr ist nicht automatisch besser, es kommt immer auf den Einsatzzweck an.
Redaktion: Wie gehen Sie bei Powerfabrik mit dem Thema Nachhaltigkeit um?
Morof: Nachhaltigkeit ist eng mit Qualität verbunden. Wir achten darauf, dass unsere Lieferanten im Einklang mit der Natur arbeiten, das heißt, keine Übererte, keine chemische Behandlung der Bienenstöcke und faire Arbeitsbedingungen. Außerdem setzen wir auf wiederverwertbare Verpackungen und kurze Transportwege innerhalb Europas. Der Honig selbst kommt natürlich aus Neuseeland, aber alles andere, Abfüllung, Etikettierung und Qualitätsprüfung, passiert hier vor Ort. Das schafft Arbeitsplätze und senkt den ökologischen Fußabdruck.
Redaktion: Was passiert, wenn ein Honig die Qualitätsprüfung nicht besteht?
Morof: Dann geht er nicht in den Verkauf. Punkt. Wenn der MGO-Wert nicht den Angaben entspricht oder der HMF-Wert zu hoch ist, wird die Charge aussortiert. Das kann wirtschaftlich weh tun, aber es ist der einzige Weg, glaubwürdig zu bleiben. Wir kommunizieren das auch offen gegenüber unseren Partnern. Lieber verzichten wir auf eine Lieferung, als Kompromisse bei der Qualität einzugehen.
Redaktion: Was wünschen Sie sich von der Branche in den nächsten Jahren?
Morof: Mehr Ehrlichkeit und mehr Aufklärung. Manuka-Honig ist ein wunderbares Naturprodukt, aber er wird oft in einem Graubereich zwischen Medizin und Lifestyle vermarktet. Das führt zu überzogenen Erwartungen und letztlich zu Enttäuschungen. Ich glaube, dass sich Qualität langfristig nur durchsetzen kann, wenn sie nachvollziehbar bleibt. Das MGO-System ist dafür ein großartiges Werkzeug, weil es wissenschaftlich fundiert und transparent ist.
Redaktion: Wenn Sie den Kunden eine Faustregel mitgeben könnten, woran erkennt man echten Manuka-Honig?
Morof: An drei Dingen: dem Herkunftsnachweis, dem Laborzertifikat und dem MGO-Wert. Ein echtes Produkt kommt aus Neuseeland, hat eine eindeutige Chargennummer und ist im Labor geprüft. Wenn das auf dem Etikett nachvollziehbar dokumentiert ist, kann der Kunde sicher sein, dass er echten Manuka-Honig in der Hand hält.
Redaktion: Herr Morof, vielen Dank für das ausführliche Gespräch.