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Ole Liebl setzt sich in seinem Buch intensiv und kritisch mit Männlichkeit und Männern auseinander und hinterfragt, weshalb sich ein destruktives System wie das Patriarchat immer noch aufrechterhalten kann.
Vor zehn Dekaden fragte Herbert Grönemeyer schon in seinem Song „Männer“: Wann ist ein Mann ein Mann? Ist es wirklich die radikale Abgrenzung von allem, was „weiblich“ konnotiert ist? Die „Manosphere“, die Millionen von Nutzern anzieht – eine antifeministische Online-Community von misogynen und querfeindlichen Maskulinsten, die ihre Hass-Ideologie digital verbreitet und fordert, dass echte Männer wieder am Start sein sollen –, lässt das vermuten. Influencer versprechen echten Kerlen Dominanz, Reichtum und Erfolg, proklamieren die angebliche Bedrohung der Männlichkeit. Bis Mitte April 2026 wurden laut OneBillionRising bereits 80 Femizid-Täter im Zusammenhang mit vollendeten oder versuchten Tötungsdelikten an Frauen und Mädchen registriert. Die Gewalt gegen Frauen steigt.
Ole Liebl ruft in seinem neuen Buch zum Umdenken der Männer auf und zum Ausstieg aus dem Teufelskreis von Maskulinität, der nicht nur Frauenhass erzeuge, sondern die emotionale Verkümmerung bei Männern – denn das Patriarchat betrifft alle und schadet allen. Männer leiden unter sozialer Einsamkeit, oberflächlichen Freundschaften und überdurchschnittlich hohen Suizidraten (72,6 % der Suizide wurden 2023 von Männern verübt). „Brutal fragile Typen. Männer und Gefühle“ ist eine Kulturgeschichte männlicher Prägungen. Das Pendant zu den Untersuchungen der feministischen Theorie, die kulturell erzeugte Frauenbilder analysiert und hinterfragt, macht Liebl für Männer. Stellt Thesen auf wie: „Männer fühlen nicht weniger, sondern überlassen den Umgang mit ihren Gefühlen anderen oder sie schweigen“, und fragt nach emotionalen Vorbildern. Und deckt die komplexen und politischen Verflechtungen von Gefühlen und Männlichkeit in seinem Buch auf. Ole Liebl ist Autor, Buchrezensent und queerfeministischer Aktivist (instagram.com/oleliebl).
>> 13.5., Literaturhaus Frankfurt, 19.30 Uhr, 12/20 € + Streamingticket 5 €, literaturhaus-frankfurt.de