© Otto Caputo
Canberk Köktürk – (Drehbuch-)Autor und Journalist ermittelt Zusammenhänge in seinem Buch „Fascholand“. Schreibt über Ausgrenzung, Anpassung, Entfremdung, Gewalt, Angst – wütend und witzig (wobei das Lachen einem oft im Halse steckenbleibt). Investigativer Journalismus trifft auf autobiografische Recherche. Der scheinbar lapidare Satz „Wir sind hier immer noch in Deutschland“, der vor einem Kiosk fällt, lässt Köktürk nicht mehr los, wird zum Ausgangspunkt seiner Recherche, die er in Form einer Ermittlungsakte anlegt: „Wenn ich konsequent sein wollte, durfte die Ermittlung niemals aufhören. Eine Art Verfassungsschutz, der auf kultureller, sozialer, alltäglicher, politischer, historischer und psychologischer Ebene ermittelt“. Er liest sich durch Adornos, Ecos, Arendts, Trotzkis Definitionen von Faschismus und bekommt eine Panikattacke. Sammelt Indizien und Wissen von Expertinnen, spricht mit Betroffenen und macht die Leser:innen mit dem „Minderheiten-Stress-Modell“ (chronische Stressbelastung bei Menschen aufgrund eines Minderheitenstatus) bekannt. Eines seiner Fazite ist: Wir leben in einer Demokratie und in Fascholand. Denn die AFD ist eine gesichert rechtsextreme Partei und sitzt im Bundestag: „Deutschland inszeniert sich als wehrhafte Demokratie, setzt aber den strukturellen Problemen und der Radikalisierung im politischen Diskurs nichts entgegen“ (reeperbahnfestival.com). Lara Ermer moderiert die Lesung, die auch in Deutsche Gebärdensprache (DGS) übersetzt wird. Leseempfehlung!
>> 25.3., Zentralbibliothek Frankfurt, 19.30 Uhr, ohne Anmeldung!