Mit „Die Königin der Nacht“ erscheint erstmals ein Roman mit einer trans Hauptfigur. Geschrieben hat ihn Gönni C. Landsmann – nicht-binär, in Frankfurt lebend, literarisch debütierend. Und doch: Wer nach einem typisch „queeren Roman“ sucht, indem Begriffe erklärt oder Identitäten ausbuchstabiert werden, wird hier nicht fündig. Zum Glück. Denn das Wort „trans“ taucht im gesamten Roman nicht ein einziges Mal auf. Nur auf dem Klappentext. Und doch ist Noas Erfahrung als trans Junge auf jeder Seite spürbar. Nicht, weil sie groß inszeniert wird, sondern weil sie durch kleine Beobachtungen, innere Bilder und subtile Situationen greifbar wird. „Mir war wichtig, Noah als Jugendlichen darzustellen, mit den Problemen, die fast alle Jugendlichen in seinem Alter haben. Trans ist dabei nur eine Facette“, sagt Landsmann. Besonders eindrücklich sind Szenen, in denen Landsmann eine komplexe, stille Form von Dysphorie beschreibt: Nicht als offener Hass, sondern als ständiges Bewusstsein des eigenen Körpers, als Abwesenheit von Selbstverständlichkeit, als Angst vor unausgesprochenen Fragen. Das Gefühlt, nicht einfach spontan aus einem T-Shirt zu schlüpfen – ob am Strand oder im Sportunterricht – wird so intensiv erzählt, dass es selbst Leser:innen ohne eigene Erfahrungen unmittelbar nachvollziehen lässt, wie tief solche alltäglichen Momente greifen können.
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