© Yenney Rojas Pérez
Wie wollen wir miteinander leben? Für einander sorgen, wenn die Gesellschaft es nicht tut? Mareike Fallwickl beschreibt in ihrem neuen Roman eindrücklich, wie das gelingen kann.
Die Hausgemeinschaft, in der Luzia aufwächst, ist ganz anders als bei ihren Freundinnen: Sie lebt in einem Haus, in dem Liebe ganz viele Formen haben kann, hier werden diverse Formen von Liebe gelebt – queere, platonische, geteilte Elternschaft. Und allgegenwärtige Solidarität. Da sind Frieda und Sigrid, Verbündete, die sich finden und halten, nachdem sie beide Ehen mit gewalttätigen Männern hinter sich ließen: „Wenn der Staat uns nicht hilft, helfen wir uns selbst.“ Und das Haus bauen, Ende der 70er: „Wenn wir wollen, dass es den Töchtern nicht ergeht wie uns“, erwidert Frieda, „und wenn wir wollen, dass die Söhne nicht werden wie …“
Jerome ist mit Paul zusammen, dem Vater von Luzia, „Mama Lena und Mama Charlotte sind […] beste Freundinnen. Sie wollten einfach gemeinsam eine Familie haben, ohne Ehemänner. Ehemänner sind nämlich anstrengend. Mama Charlotte ist die Tochter von Sigrid, die mit Frieda unser Haus gebaut hat“, erklärt die 8-jährige Luzia der Mutter einer Freundin, die sichtlich überfordert ist mit diesem alternativen Lebensentwurf.
Luzia geht später als Theaterregisseurin nach Berlin, verliebt sich in Somi und kämpft gegen allgegenwärtige patriarchale Strukturen, klassische Rollenbilder an. Ihre Kindheitsfreundin Marle will mit Anfang 40 Mutter werden. Entschließt sich für einen Weg abseits von Dating, Beziehungen mit Männern. Mit dem Rückhalt der Wahlfamilie, die nach wie vor im Haus lebt.
Mareike Fallwickl erzählt eindringlich aus unterschiedlichen Perspektiven, in unterschiedlichen Zeitschleifen. Schreibt über Freundschaft, Liebe, Gemeinschaft. Zeichnet eine Utopie, in der Fürsorge und Liebe nicht an die romantische cis-Paarbeziehung geknüpft sind, nur ihr vorbehalten sind. Ganz im Gegenteil. Sie fragt und zeigt, was passieren kann, wenn Frauen sich nicht mehr an Männern ausrichten, sondern Freundinnenschaft und letztlich sich selbst priorisieren?!
Fallwickl kuratierte, und lesenswerte „Angry Female Bookclub“-Leselisten gibt es hier: rowohlt.de/magazin/empfehlungen/leselisten-mareike-fallwickl.
>> 18.10., Mousonturm Frankfurt, 18 und 21 Uhr, mousonturm.de