© Museum Angewandte Kunst
Teppiche spenden seit Jahrtausenden Wärme, haben eine spirituelle Bedeutung oder dienen der Dekoration. Dass sie auch schon immer Geschichten erzählen, mit Mustern oder Bildern, ist in westlichen Ländern nicht mehr so präsent. In der Ausstellung kann nicht nur herausragendes Kunsthandwerk bestaunt werden, hier werden Teppiche als zeitgenössische Kunst auf ein ganz neues Level gehoben, das auch die Hierarchie zwischen angewandter und freier Kunst in Frage stellt. Es sind textile Skulpturen und immersive Erfahrungsräume, in die man teilweise am liebsten seine Hände graben möchte. Faigh Ahmed dekonstruiert in „Virgin“ (2016) einen traditionellen anatolischen Teppich, den er in einen Schwall aus blutroter Wolle auflöst: ein Sinnbild für den Wandel von der Tradition zur Moderne. Den raumgroßen Teppich von Alexandra Kehayoglou dürfen die Besucher:innen sogar betreten, er stellt eine Flusslandschaft in Argentinien dar, die von Umweltzerstörung bedroht ist. Jan Kaths handgeknüpfte Wandteppiche zeigen Bilder von Krieg und Vertreibung, Flüchtlingsboote und Panzer. Er verbindet diese aktuelle Themen mit den klassischen Ornamenten eines persischen Teppichs, kontrastiert mit neonfarbenen Umrandungen und Mickey-Mouse-Silhouetten.
>> Bis 24.5.2026, Museum Angewandte Kunst, museumangewandtekunst.de