© Liebieghaus Skulpturensammlung – Norbert Miguletz
Majestätisch und überlebensgroß: August Gauls „Großer laufender Orang Utan“ von 1896 thront inmitten von Heiligenfiguren, die gebührenden Abstand zu halten scheinen. Mit gesenktem Blick und zotteligem Fell schreitet das Tier voran, ein beeindruckender und in diesem Umfeld überraschender Anblick. Das Liebieghaus widmet dem Bildhauer August Gaul (1869–1921) eine große Sonderausstellung. Gauls Skulpturen markieren Ende des 19. Jahrhunderts einen Neubeginn in der künstlerischen Tierdarstellung, nicht mehr als mythologische, christliche oder politische Symbole, sondern als eigenständige Individuen. Zugleich änderte sich die menschliche Sicht auf Tiere durch neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse, etwa von Charles Darwin. Die Schau macht ein interessantes Experiment, indem sie die Skulpturen in die Dauerausstellung des Liebieghauses einbindet. Da entstehen fast schon provokative Zusammenstellungen, wie gleich zu Beginn, wo der Orang-Utan-Kopf „Jumbo“ direkt neben dem Bildnis des römischen Philosophen-Kaisers Marc Aurel prangt. Es kommt zu Dialogen mit den Tierdarstellungen im alten Ägypten, in der Antike, bis man beim abschließenden Schwenk in die Gegenwart nochmal die Wirkung der allgegenwärtigen Tiervideos in den sozialen Medien an sich austesten kann.
>> Bis 3.5.2026, Liebieghaus, liebieghaus.de