© Moritz Bernoully
Für die einen ist es der ultimative Lebenstraum, für die anderen eine spießige Horrorvorstellung: das Leben im Einfamilienhaus mit Garten auf dem Land oder in den Speckgürteln der Vorstädte. Die Ausstellung widmet sich zunächst den amerikanischen Vorstädten und ihrer Entstehung. Mit ihren geklonten Straßen und der betont künstlichen Perfektion sind diese typischen Viertel aus der Nachkriegszeit für das „deutsche“ Auge doch eher weniger erstrebenswert und ein Anblick, den man nur aus amerikanischen TV-Serien kennt. Interessant sind die Zusammenhänge zwischen der Zementierung gesellschaftlicher Ungleichheiten, der Rolle von Mann und Frau und der weiteren Stadtplanung, die die massenhafte Anlegung dieser neuen Eigenheim-Viertel nach sich zog. Waren anfangs noch öffentliche Verkehrsmittel eine Möglichkeit, zwischen Arbeit und Zuhause zu pendeln, waren später immer mehr Autobahnen nötig, die die Landschaft zunehmend zerschnitten. Frauen lebten nicht nur in den USA in diesen Suburbs zwischen Küche und Kindern weitgehend isoliert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war das Eigenheim auf dem Land in Deutschland aber auch deshalb so ein Ideal, weil die Städte weitgehend zerstört waren. Einen Blick hinter die grasgrün-poolblaue Idylle werfen abschließend mehrere Fotoprojekte, die häusliche Gewalt und irritierende Versuche, Status zu demonstrieren, dokumentieren.
>> Bis 18.10., Deutsches Architekturmuseum, dam-online.de