© Frida Orupabo
Stolpern kann man in der Ausstellung buchstäblich. Jedenfalls, wenn man nur mit erhobenem Kopf hindurchgeht und den Blick nicht auch mal nach unten wendet. Jana Müller hat Kleidungsstücke aus den 50er Jahren zwischen Glasplatten gepresst – konserviert – und auf dem Boden abgelegt. Gestolpert scheinen auch die Menschen in den Gerichtsfotografien aus den 50er Jahren zu sein, die Müller daneben hängt. Scham und Reue kennzeichnen ihre Körperhaltungen mit gesenkten Köpfen oder versteckt hinter Jacken. „Stolpern, bitte!“ zeigt Arbeiten, die sich mit dem Innehalten beschäftigen. Innehalten, weil plötzlich etwas anders ist als erwartet, weil einem ein Fehler passiert ist, weil man aus der Bahn geraten ist und sein weiteres Vorgehen neu überdenken muss. Was bei allem eventuell vorangegangenen Schrecken auch etwas Positives sein kann. Und schließlich ist das Infrage-Stellen ein Merkmal von Kunst an sich. Das Stolpern setzt in der Ausstellung nicht sofort ein, sondern erst beim Heranrücken an die Details. Manfred Paul begleitet 1990 mit seinen Fotos den irritierend schnell voranschreitenden Abriss des Grenzstreifens zur DDR. Tatiana Lecomtes wandfüllende Arbeit aus handbeschriebenen Blättern stellt sich als Sezierung eines Textes aus dem Nationalsozialismus heraus. Die zahllosen Wiederholungen der typischen Schlagwörter wirken wie ein entsetztes Stottern.
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