Wer hat die Naturforschung geprägt? Die Antwort fällt meist männlich aus. Die Sonderausstellung „Secret Service: Frauen in der Naturforschung“ im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt setzt dem eine längst überfällige Korrektur entgegen. Im Mittelpunkt stehen elf Frauen, die zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert als Forscherinnen, Zeichnerinnen, Stifterinnen, Präparatorinnen oder Laborantinnen entscheidend zum wissenschaftlichen Fortschritt beitrugen, deren Leistungen jedoch häufig im Schatten ihrer männlichen Zeitgenossen verblieben.
Zu den porträtierten Persönlichkeiten zählen bekannte Pionierinnen wie die Naturforscherin Maria Sibylla Merian oder die Paläontologin Tilly Edinger. Daneben werden auch bislang kaum bekannte Biografien vorgestellt, etwa die Frankfurter Polarexpeditions-Fotografin Aenny Fahr. Ihre Aufnahmen aus der Arktis gehören zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen der Expedition von 1914, ihr Name ist heute dennoch fast vergessen.
Historische Recherchen, originale Sammlungsobjekte und neu geschaffene Bildwelten eröffnen einen ungewöhnlichen Zugang zur Wissenschaftsgeschichte. Die Fotografin und Wissenschaftskommunikatorin Gesine Born entwickelte auf Basis historischer Quellen KI-gestützte Porträts, die die Frauen in ihren jeweiligen Arbeitsfeldern zeigen. Entstanden sind die Bilder in enger Zusammenarbeit mit der Historikerin Dr. Luisa Kapp, die auf historische Genauigkeit achtete. Begleitende Erläuterungen machen transparent, welche Bildelemente künstlich erzeugt wurden.
Die Ausstellung würdigt nicht nur individuelle Lebenswege, sondern beleuchtet auch strukturelle Hürden für Frauen in der Wissenschaft. Eine Infografik zur sogenannten „Leaky Pipeline“ schlägt dabei die Brücke in die Gegenwart. So entsteht ein vielschichtiges Bild jener Frauen, ohne die die Geschichte der Naturforschung anders verlaufen wäre. Die Schau ist eine Einladung, bekannte Erzählungen neu zu betrachten und wissenschaftliche Leistungen sichtbar zu machen, die lange übersehen wurden.
>> Bis 31.10., Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, senckenberg.de