© Lise Linnert
„Hey, ich weiß, es ist spät, aber ich wollte nur kurz fragen, wie es dir geht.“ Was sich anhört, wie eine schnell dahingetippte Whatsapp-Nachricht, hat Maureen Ritter in Schreibschrift auf ein weißes Spitzentaschentuch gestickt. Die Künstlerin bezieht sich auf alte Handwerkstraditionen und bricht gleichzeitig damit. Stricken, sticken, nähen, batiken, all diese textilen Arbeiten werden von jeher vor allem als typische Frauentätigkeiten wahrgenommen. Gleichzeitig sind es künstlerische Techniken, die mit einem spontanen Pinselstrich nichts zu tun haben. Sie erfordern Geduld und Zeit, Millimeter für Millimeter. Die Ausstellung beginnt mit Schriftteppichen aus der museumseigenen Sammlung, vor allem von dem bedeutenden Schriftkünstler Rudolf Koch und seiner Offenbacher Werkstatt. Kochs mit religiösen Texten versehene Wandteppiche erinnern an Wandteppiche in Kirchen, die als Schmuck und wärmende Geschichtenerzähler dienten. Die Werke der zeitgenössischen Künstler:innen nehmen dagegen häufig aktivistische und feministische Positionen ein. Erin Riley verarbeitet in ihren handgewebten Teppichen auch durch den meditativen Vorgang des Webens ihre kindlichen Traumata. In dem Pavillon von Lise Linnert ist man umgeben von Zitaten zum Thema Grausamkeit, die die unterschiedlichsten Menschen nach den Terroranschlägen in Norwegen 2011 auf Stoffbahnen gestickt haben.
>> Bis 16.8., Klingspor Museum, offenbach.de/klingspor-museum