Mit dem Fliegenden Künstler:innenzimmer hat das Frankfurter Bahnhofsviertel einen neuen Ort erhalten, der Kunst, kulturelle Bildung und nachbarschaftliche Begegnung auf besondere Weise miteinander verbindet. Das mobile Atelier, kurz FlieKü, wird in den kommenden fünf Jahren auf dem François-Mitterrand-Platz beheimatet sein und dort Menschen unterschiedlicher Generationen, Herkunftsgeschichten und Lebensrealitäten zusammenbringen. Nach den erfolgreichen Standorten in Preungesheim und Ginnheim ist das Bahnhofsviertel bereits der dritte Frankfurter Stadtteil, in dem das Projekt seine Arbeit aufnimmt.
Redaktion: Marie Brunner
Das Konzept ist bewusst niedrigschwellig angelegt. Kunst soll nicht nur in Museen, Galerien oder Kulturinstitutionen stattfinden, sondern direkt dort präsent sein, wo Menschen leben, arbeiten und ihren Alltag verbringen. Das Fliegende Künstler:innenzimmer schafft dafür einen offenen Raum im öffentlichen Umfeld, der zum Mitmachen, Ausprobieren und gemeinsamen Gestalten einlädt. Bewohner:innen werden nicht als Zuschauer:innen verstanden, sondern als aktiv Beteiligte, die ihre Ideen, Erfahrungen und Perspektiven in die Projekte einbringen können.
An mehreren Tagen pro Woche arbeiten Künstler:innen als sogenannte Artists-in-Residence im Quartier. Sie entwickeln gemeinsam mit den Menschen vor Ort kreative Formate, die sich an den Bedürfnissen und Themen des Stadtteils orientieren. Dabei entstehen künstlerische Prozesse, die oft weit über klassische Kunstvermittlung hinausgehen. Im Mittelpunkt stehen Austausch, Zusammenarbeit und die Frage, wie Kunst dazu beitragen kann, Gemeinschaft zu stärken und neue Sichtweisen auf das eigene Umfeld zu eröffnen.
Ein Projekt für die Stadtgesellschaft
Besonders Kinder und Jugendliche stehen im Fokus des Programms. Sie erhalten die Möglichkeit, künstlerische Ausdrucksformen kennenzulernen, eigene Talente zu entdecken und Erfahrungen von Selbstwirksamkeit zu sammeln. Gleichzeitig richten sich die Angebote ausdrücklich an alle Bewohner:innen des Quartiers. Menschen verschiedener Altersgruppen und sozialer Hintergründe finden hier einen Ort, an dem Begegnung und Austausch auf Augenhöhe stattfinden können.
Initiiert wurde das Fliegende Künstler:innenzimmer von der Crespo Foundation in Kooperation mit dem Frankfurter Programm Aktive Nachbarschaft des Jugend- und Sozialamts der Stadt Frankfurt. Die Stiftung verfolgt damit das Ziel, kulturelle Teilhabe zu fördern und Menschen darin zu unterstützen, ihre Potenziale zu entfalten. Kunst wird dabei als gesellschaftliche Ressource verstanden, die Räume für Dialog eröffnet und individuelle wie gemeinschaftliche Entwicklungsprozesse anstoßen kann.
Das erste Residenzjahr im Bahnhofsviertel gestaltet das Kollektiv YRD.Works. Die Gruppe ist für ihre partizipativen und ortsbezogenen Projekte bekannt, die häufig an der Schnittstelle von Kunst, Architektur und Stadtentwicklung entstehen. Gemeinsam mit den Menschen im Viertel will das Kollektiv neue Formen der Zusammenarbeit erproben und kreative Impulse für das Quartier setzen.
Das Fliegende Künstler:innenzimmer versteht sich damit nicht nur als Atelier, sondern als lebendiger Treffpunkt für kulturelle und soziale Teilhabe. Hier können Ideen wachsen, Nachbarschaften gestärkt und neue Perspektiven entwickelt werden. In einem Stadtteil, der wie kaum ein anderer für Vielfalt, Dynamik und gesellschaftliche Herausforderungen steht, soll das Projekt einen offenen Raum schaffen, in dem Kreativität zum verbindenden Element wird. Kunst wird dabei zum Ausgangspunkt für Begegnungen, die Menschen miteinander ins Gespräch bringen und das Zusammenleben im Quartier nachhaltig bereichern können.
>> François-Mitterrand-Platz, Frankfurt-Bahnhofsviertel, quartier.fliegendes-kuenstlerzimmer.de