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© Courtesy of Nordisk Büro
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World Design Capital 2026 verwandelt ein ehemaliges Aktenlager der Dresdner Bank in der Gutleutstraße 324 in einen völlig neuen Erlebnisraum zur Geschichte und Zukunft der Stadt. Unter dem Titel „Frankfurt: City of WOW!“ entsteht ein Ort, der über 800 Jahre Stadtentwicklung in ein atmosphärisches, multimediales Gesamterlebnis verwandelt.
Redaktion: Marie Brunner
Ab Anfang März 2026 bietet der transformierte Industriebau einen ungewöhnlichen Zugang zur Frankfurter Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Die Besucher:innen begegnen der Stadt nicht über trockene Daten oder museale Schaukästen, sondern in einer erzählerischen Inszenierung, die historische Wendepunkte, Menschen, Bewegungen und Entwicklungen miteinander verwebt. Die immersive Reise „City of WOW!“ schlägt damit eine Brücke zwischen historischen Quellen und dem urbanen Leben, wie es sich über Jahrhunderte formte – zwischen Handel und politischer Macht, zwischen Migration und kultureller Vielfalt, zwischen Literatur, Musik und urbanen Subkulturen, die Frankfurt immer wieder neu geprägt haben. Im Zentrum steht die Frage, wie Frankfurt zu dem wurde, was es heute ist: eine Stadt, die ihre ökonomische Stärke aus der internationalen Verflechtung zieht und ihre gesellschaftliche Dynamik aus den Menschen, die hier leben, arbeiten und ankommen.
Globale Bedeutung damals und heute – eine Reise durch 800 Jahre Stadtgeschichte
Die Ausstellung führt Besucher:innen durch ein immersives Panorama der Frankfurter Handels- und Wirtschaftsgeschichte. Sie beginnt mit den frühesten Messeprivilegien des Mittelalters, die Kaiser Karl IV. 1356 in der Goldenen Bulle festschrieb und damit Frankfurts Status als zentrale Drehscheibe des Reiches bestätigte. Schon damals galt Frankfurt als heimliche Hauptstadt, ein politischer wie wirtschaftlicher Brennpunkt, gefördert durch seine Lage im europäischen Verkehrsnetz. Von dort aus öffnet sich ein dramaturgischer Bogen zu den Märkten, Handelsbeziehungen und Alltagswelten, die die Stadt durch die Jahrhunderte trugen. Migration, religiöse Vielfalt, intellektueller Austausch und literarische Milieus – all diese Strömungen prägten eine Stadt, die stets nach außen orientiert war. Die Besucher:innen erleben, wie Frankfurt zu einem der bedeutendsten Umschlagplätze Europas wurde und später zu dem globalen Finanz- und Logistikzentrum, das es heute ist.
Der Erlebnisraum nutzt modernste Technik, um diese historischen Linien nicht nur zu zeigen, sondern spürbar zu machen. Herzstück der Installation ist eine zehn Meter hohe Projektion, deren Gesamtfläche von über 1.200 Quadratmetern den Raum in ein bewegtes, leuchtendes Panorama verwandelt. Rund 160.000 ANSI-Lumen sorgen für eine visuelle Dichte, die Geschichtsbilder und Zukunftsszenen in beeindruckender Größe erlebbar macht. Audiovisuelle Räume, interaktive Medienstationen und fast filmisch inszenierte Szenenwechsel verweben Lernen und Erleben. Besucher:innen bewegen sich durch eine dramaturgische Abfolge, die klassische Wissensvermittlung mit sinnlicher Wahrnehmung verbindet: ein immersiver Spaziergang durch acht Jahrhunderte Stadtentwicklung.
- Frühe Impulse: Frankfurt, die heimliche Hauptstadt: Ein eigener Abschnitt widmet sich Frankfurts politischer Rolle im Heiligen Römischen Reich. Über Jahrhunderte diente die Stadt als Wahl- und Krönungsort deutscher Könige und Kaiser, lange bevor Berlin oder Wien zu Zentren politischer Macht wurden. Die Goldene Bulle legte diesen Status fest und unterstrich Frankfurts Bedeutung als urbanes Machtzentrum, als Ort des Austauschs und der Diplomatie.
- Frankfurt der Gegenwart: Im Kapitel „Frankfurt der Gegenwart“ zeigt „City of WOW!“ die Stadt als lebendigen Knotenpunkt internationaler Ströme. Frankfurt erscheint hier als urbanes Labor, geprägt von kultureller Vielfalt, globaler Ökonomie, kreativen Szenen und einem Alltag, in dem unterschiedlichste Lebenswelten aufeinandertreffen. Eine Stadt, die pulsierend, komplex und ständig in Bewegung ist.
- Stadt der Zukunft: „City of WOW!“ endet jedoch nicht in der Vergangenheit. Die Inszenierung öffnet immer wieder Fenster in die Zukunft: Fragen zur urbanen Transformation, zu nachhaltiger Mobilität, sozialer Teilhabe, wirtschaftlicher Innovation und globalen Verflechtungen. Frankfurt erscheint als Stadt, die ihre DNA aus Wandel und Weltoffenheit schöpft – und die ihre Zukunft selbstbewusst weiterdenkt.
Das Projekt ist eine internationale Gemeinschaftsarbeit: Agenturen aus den Bereichen Gestaltung, Szenografie und Veranstaltungstechnik entwickeln gemeinsam einen Raum, der gestern und morgen miteinander verbindet. Daraus entstand in der Gutleutstraße 324 ein Zukunftsort, der über das Designjahr 2026 hinaus bestehen soll. Der Erlebnisraum soll nicht nur ein weiteres Kulturangebot sein, sondern ein Ort, der Frankfurts Identität neu inszeniert – als Stadt des Handels, der Vielfalt, der Erfindungskraft und der permanenten Bewegung. „Frankfurt: City of WOW!“ möchte ein Ort sein, der aufzeigt, wie eng Vergangenheit und Zukunft miteinander verwoben sind – und wie eine Stadt ihre eigene Geschichte immer wieder neu erzählt.
>> ab 7. März bis Dezember 2026, Gutleutstraße 324, Frankfurt, Mi-So: 10-20 Uhr, cityofwow.com