Mit Doris Sommer übernimmt eine Vertraute des Hauses die Geschäftsführung von Batschkapp und Nachtleben. Nach dem Tod von Ralf Scheffler beginnt für Frankfurts legendären Musikclub ein neues Kapitel – geprägt von Kontinuität, Erfahrung und der Leidenschaft für Livemusik.
Redaktion: Heidi Zehentner
Wenn in Frankfurt von Livemusik die Rede ist, fällt ein Name fast immer zuerst: die Batschkapp. Seit einem halben Jahrhundert ist sie Konzertsaal, Kulturzentrum, Treffpunkt und Heimat für Generationen von Musikfans. Hier spielten große internationale Acts ebenso wie Nachwuchsbands, hier wurden Karrieren gestartet und Nächte erlebt, die man nie vergisst. Die Batschkapp ist weit mehr als eine Konzertlocation – sie ist ein Stück Frankfurter Identität.
Doch jede Institution steht irgendwann vor einem Wendepunkt. Für die Batschkapp kam dieser Moment Anfang Mai 2026 mit dem überraschenden Tod von Ralf Scheffler. Der langjährige Geschäftsführer, Macher, Netzwerker und leidenschaftliche Förderer der Musikszene hinterließ eine Lücke, die weit über die Mauern der Gwinnerstraße hinaus zu spüren war. Seit dem 1. Juli 2026 hat Doris Sommer die Geschäftsführung der Batschkapp und des Nachtlebens übernommen. Damit bleibt das Lebenswerk von Ralf Scheffler in den Händen einer Person, die beide Häuser seit Jahrzehnten kennt und begleitet hat.
Mehr als ein Club
Um die Bedeutung dieser Entscheidung zu verstehen, lohnt sich ein Blick zurück. Die Geschichte der Batschkapp beginnt in den 1970er Jahren. Gegründet als alternatives Kulturzentrum, entwickelte sie sich rasch zu einem der wichtigsten Treffpunkte der Frankfurter Gegenkultur. Der Name „Batschkapp“ – Hessisch für Schirmmütze – spiegelte von Anfang an den eigenwilligen, lokal verwurzelten Charakter des Hauses wider.
In den Anfangsjahren war die Batschkapp vor allem ein Ort für politische Diskussionen, kulturelle Experimente und alternative Lebensentwürfe. Konzerte gehörten früh dazu, doch ebenso Kabarett, Theater und gesellschaftspolitische Veranstaltungen. Die Atmosphäre war rau, direkt und authentisch – genau das, was viele Besucher:innen bis heute mit der Batschkapp verbinden.
Mit den Jahren entwickelte sich der Club zu einer festen Größe in der deutschen Konzertlandschaft. Punk, Rock, New Wave, Indie, Metal, Hip-Hop oder Singer-Songwriter – nahezu jedes musikalische Genre fand hier seinen Platz. Zahlreiche später weltberühmte Künstler:innen standen bereits auf der Bühne der Batschkapp, als sie noch weitgehend unbekannt waren. Dabei gelang dem Haus etwas, das nur wenige Konzertorte schaffen: Trotz wachsender Professionalität blieb die Nähe zum Publikum erhalten. Die Batschkapp wurde nie zu einer austauschbaren Eventhalle. Sie bewahrte ihren Charakter als Ort von Musikfans für Musikfans.
Die Ära Ralf Scheffler
Untrennbar mit dieser Entwicklung verbunden ist der Name Ralf Scheffler. Über fünf Jahrzehnte hinweg prägte er die Geschichte der Batschkapp entscheidend. Er war weit mehr als ein Geschäftsführer. Für viele Künstler:innen, Veranstalter:innen und Besucher:innen war er das Gesicht der Institution. Scheffler verstand früh, dass ein Konzertclub nicht nur von guten Programmen lebt, sondern von Beziehungen. Er pflegte Kontakte zu Agenturen, Bands und Promoter:innen, baute Vertrauen auf und entwickelte die Batschkapp zu einer Adresse, die in der Musikbranche hohes Ansehen genoss.
Unter seiner Führung überstand das Haus zahlreiche Herausforderungen. Veränderungen in der Musikindustrie, wirtschaftlich schwierige Zeiten, Standortwechsel und die tiefgreifenden Umbrüche der Veranstaltungsbranche konnten der Batschkapp nichts anhaben. Im Gegenteil: Sie blieb relevant und entwickelte sich kontinuierlich weiter. Besonders der Umzug von der traditionsreichen Maybachstraße an den heutigen Standort in die Gwinnerstraße markierte einen wichtigen Meilenstein. Viele sorgten sich damals, die Batschkapp könne ihre Seele verlieren. Doch das Gegenteil trat ein. Der neue Standort ermöglichte größere Konzerte, bessere technische Bedingungen und zugleich die Fortsetzung jener besonderen Atmosphäre, für die die Kapp bekannt ist.
Eine Frau aus dem innersten Kreis
Nach dem Tod von Ralf Scheffler hat Doris Sommer die Leitung von Batschkapp und Nachtleben übernommen, immer mit dem Ziel, sein Lebenswerk fortzuführen. Für viele kam diese Entscheidung nicht überraschend. Als langjährige Vertraute und Ehefrau von Ralf Scheffler kennt sie beide Häuser, ihre Menschen und ihre Werte wie kaum jemand sonst. Gemeinsam mit dem bestehenden Team möchte sie die erfolgreiche Arbeit fortsetzen und gleichzeitig behutsam neue Impulse setzen. Wichtig ist dabei die Kontinuität: Das bisherige Team bleibt unverändert bestehen und sorgt weiterhin für verlässliche Beziehungen zu Künstler:innen, Agenturen und Veranstalter:innen. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe – it’s only Rock’n’Roll and I like it“, sagt Doris Sommer mit jener Mischung aus Gelassenheit und Leidenschaft, die viele mit der Batschkapp verbinden. Unterstützt wird sie künftig von Florian Jöckel, der den Vorsitz des Frankfurter Kulturzentrums übernommen hat und die Batschkapp verstärkt nach außen repräsentieren wird. „Es gibt keine Bessere für diese Aufgabe als Doris Sommer. Die Weichen für die Zukunft der Kapp sind gestellt“, betont er. Für die Frankfurter Musikszene ist die Personalentscheidung ein starkes Signal. Statt eines radikalen Neuanfangs setzt die Batschkapp auf Erfahrung, Verlässlichkeit und die Menschen, die ihre Geschichte über Jahrzehnte geprägt haben. Damit beginnt ein neues Kapitel – eines, das die Tradition des Hauses bewahrt und zugleich den Blick nach vorn richtet.
Die Batschkapp bleibt damit, was sie seit mehr als 50 Jahren ist: eine Frankfurter Institution. Und Doris Sommer ist ihre neue Hüterin.