Die Jahre nach dem Ende der DDR haben dem Ossi Micha Hartung (Charly Hübner) das erhoffte sorgenfreie Leben beschert. Doch fast 30 Jahre nach dem Mauerfall ist es jetzt höchste Zeit, die unrentable Videothek im Berliner Osten dicht zu machen. Da kreuzt plötzlich dieser Möchtegern-Starjournalist eines renommierten Hamburger Nachrichtenmagazins im Laden auf, mit Fragen zu einer Vor-Wende-Geschichte: Da hatte im Sommer 1983 eine falsch gestellte Weiche vor dem Ost-Berliner Grenzbahnhof Friedrichstraße bewirkt, dass ein S-Bahnzug mit 127 DDRlern auf das Ferngleis umgeleitet wurde, um im Westen anzukommen. Verantwortlich für diese spektakuläre Massenflucht war laut Recherche des Journalisten Landmann (Leon Ullrich) ein Bahnhofsstellwerksmeister namens Michael Hartung. Landmanns aufsehenerregende Titelgeschichte macht im Nu eine Berühmtheit aus Hartung. Dabei ist’s nur eine Frage der Zeit, bis das Gebilde aus Stasi-Aktenlüge und geschönten Halbwahrheiten in sich zusammenfällt. Die Adaption von Leo Maxims Post-Wende-Roman „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ bot dem nach Drehschluss verstorbenen Filmer Wolfgang Becker die Chance, thematisch an seine einstige Erfolgs-Dramödie „Good Bye, Lenin!“ anzuknüpfen. Genüsslich wird die kollektive deutsch-deutsche Erinnerungskultur hinterfragt sowie die Dynamik einer aus dem Ruder laufenden Medienmaschinerie beobachtet. Absolut sehenswert – auch dank Charly Hübners liebenswert verpeiltem Hochstapler wider Willen.
>> Start: 11.12. (113 Min.), Deutschland 2025, mit Charly Hübner, Christiane Paul, Leon Ullrich, Leonie Benesch, Daniel Brühl, Jürgen Vogel