FSK 12
Wie frei darf die Kunst, wie politisch das Theater sein? In deutschen Landen beschützt das Grundgesetz jegliche Formen von Meinungsäußerung. Noch. Denn nichts gilt und lebt ewig. Ganz besonders in Ländern, wo Intellektuelle ebenso wie demonstrierende Normalbürger:innen überwacht, schikaniert und verhaftet werden. Die Karriere des Theatermachers Aziz (Tansi Biçer) endet abrupt, als nach der Premiere seiner neuen Inszenierung in Ankara die Behörden einschreiten und Aziz und seiner Frau Derya (Özgü Namal), die in dem Stück mitspielt, Berufsverbot erteilen. Das Paar flüchtet sich mitsamt Tochter nach Istanbul, wo bald der Mangel an Geld und Arbeit an ihrem Glück und ihrer gemeinsamen Zukunft nagt. Während der idealistische Aziz die Hoffnung nicht aufgibt, erliegt Derya den Versuchungen der Gleichschaltung: Die Hauptrolle in einer seifigen TV-Serie verspricht ihr Ruhm und Einkommen … Nach seinem für den Oscar nominierten Film „Das Lehrerzimmer“ setzt Regisseur İlker Çatak erneut eine Handlung in Szene, in der Menschen in sklavische Abhängigkeit von der Obrigkeit geraten, während sie der drohenden Zerstörung ihrer Existenz ins Auge sehen. Dass „Gelbe Briefe“ nicht an Originalschauplätzen, sondern in Berlin und Hamburg entstanden ist, macht den Film selbst zu einer Kunstform und grenzüberschreitend aktuell.
>> Start: 12.3. (128 Min.), Türkei/Deutschland/Frankreich 2026, mit Özgü Namal, Tansi Biçer, Leyla Smyrna Cabas, İpek Bilgin, Aydin Isik, Aziz Çapkurt