© Felix Grünschloß
„Die Geschichte deines Körpers ist eine Anklage der politischen Geschichte“, schreibt Édouard Louis in seinem Buch „Wer hat meinen Vater umgebracht?“ Er schreibt über die gescheiterten Träume des Vaters, der in einer Welt aufwuchs, die für bestimmte Menschen nur das Scheitern vorsieht. In seinem autofiktionalen Debüt „Das Ende von Eddy“ schrieb Louis: „An meine Kindheit habe ich keine einzige glückliche Erinnerung.“ „Wer hat meinen Vater umgebracht?“ bettet die Aussage jetzt in einen Kontext, ist aus größerer Distanz und gleichzeitig zart und einfühlsam verfasst. Denn Louis ist Autor und Soziologe, dessen Ansinnen ist, Menschen eine Stimme zu geben, die in der Gesellschaft keine haben: „Für die Herrschenden ist die Politik weitgehend eine ästhetische Frage: eine Art, sich zu denken, sich zu erschaffen, eine Weltsicht. Für uns ist sie eine Frage von Leben oder Tod.“ Er schreibt über die Dynamiken und die Gewalt sozialer Strukturen, ihre Komplexität und Wirkungen auf Leben und Tod. Über eine Vater-Sohn-Beziehung. Und über die Trauer. Die Inszenierung von Lisa Nielebock wird zu einem Erinnerungsraum, in dem sich Gegenwart und Vergangenheit abwechseln, überlagern. Er ist voller Bilder, alter Fotografien, Kindergeschenke, Traumata, Ängste und kleiner Glücksmomente. Und dann ist da noch Wut auf eine Politik der Abwertung und Ausgrenzung. „Gewalt ist kein rein individuelles Ding, sie wird durch gesellschaftliche Strukturen bedingt“ (Édouard Louis).
>> 15.3., Schauspiel Frankfurt/ Kammerspiele, 18 Uhr, schauspielfrankfurt.de