© Jörg Baumann
Der Februar im Künstler:innenhaus Mousonturm verbindet künstlerische Arbeiten mit gesellschaftlicher Gegenwart. Theater-, Performance- und Tanzproduktionen richten den Blick auf Krieg, Gewalt und Militarisierung und fragen danach, wie sich diese Erfahrungen in Körpern, Biografien und politischen Haltungen einschreiben.
Redaktion: Heidi Zehentner
© Julie Folly
Der Soldat. Ein Übergangsritual
>> 4. + 5.2., Mousonturm Saal, Frankfurt, 20 Uhr, solidarisches Preissystem (frei wählbar): 8 € / 12 € / 21 € / 36 €
Bekannt geworden ist Julian Warner als Musiker, antirassistischer Aktivist, Künstler, Kurator und Leiter des Brechtfestivals in Augsburg. In seinem neuen Solo widmet er sich einer Ikone des Schwarzen Widerstands: Frantz Omar Fanon (1925–1961) – Psychiater und Marxist aus Martinique. Er war überzeugt, dass die Entmenschlichung durch den europäischen Kolonialismus nicht durch Gespräche oder Zugeständnisse beendet werden könne, sondern nur durch die Zerschlagung des kolonialen Systems: „Die Befreiung der Okkupierten ist gleichzeitig der Schrecken der Besatzer.“ Fanons Verteidigung antikolonialer Gewalt wurde weltweit von linken Bewegungen aufgegriffen – von den Black Panthers in den USA bis zur RAF in Deutschland – und sorgt bis heute für kontroverse Diskussionen. Begleitet von Schlagzeuger Markus Acher, durchlebt der Schwarze Künstler Julian Warner auf der Bühne seine Verwandlung zum Soldaten: Im Takt des Schlagwerks, dem körperlichen Drill ausgeliefert, stellt er Fragen an die Geschichte und seine Erfahrungen im Kulturkampf um Repräsentation und Ressourcen. Und er sucht nach seinem eigenen Verhältnis zur Gewalt. Wann ist Kulturkampf Krieg, und ist es notwendig, darin Gewalt auszuüben? Ob in der Politik, der Wirtschaft, im Krieg oder in der Kultur – die Figur des Soldaten hat sich zu einem Symbol der Gegenwart entwickelt und militärisches Denken prägt zunehmend gesellschaftliches Handeln. Und immer lauter stellt sich dabei die Frage nach der Notwendigkeit und Rechtfertigung von Gewalt.
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Konfliktdynamiken im Krieg gegen die Ukraine
>> 20. + 21.2., Mousonturm Studio 1, Frankfurt, 19 Uhr, Eintritt frei
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine ist für Europa eine Gratwanderung. Auf die Biden-Administration konnte sich Europa verlassen, wenn es darum ging, die Ukraine militärisch zu unterstützen und zugleich Eskalationsrisiken zu kontrollieren. Mit Donald Trump driften Interessen und Strategien innerhalb des Westens auseinander. Washington ergreift nicht länger eindeutig Partei für das angegriffene Land und strebt ein möglichst rasches Ende des Krieges an. Europa gelingt es bislang weder, die entstehende militärische Lücke zu schließen, noch eine kohärente diplomatische Strategie zu entwickeln. Der Vortrag von Dr. Sascha Hach resümiert die unterschiedlichen Phasen der Konfliktdynamik des Ukrainekriegs und legt dabei einen besonderen Fokus auf das Eskalationsmanagement sowie auf die jüngsten diplomatischen Initiativen. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit den Themen Europäische Sicherheit, Abrüstung und Rüstungskontrolle, Nukleare Ordnung, Frankreich sowie den Vereinten Nationen. (Im Anschluss „She Stands in the Middle of a Battlefield“)
© Karolina Jóźwiak
She Stands in the Middle of a Battlefield
>> 20. + 21.2., Mousonturm Saal, Frankfurt, 20 Uhr, solidarisches Preissystem (frei wählbar): 8 € / 12 € / 21 € / 36 €
In „She Stands in the Middle of a Battlefield“ sucht die polnische Theaterregisseurin Magda Szpecht Worte und Formen für das Gefühl, eine Freundin und Schwester in den Krieg ziehen zu sehen – und ihr dennoch Halt geben zu wollen. Vom Alltag an der ukrainischen Front erfährt sie über Text- und Sprachnachrichten. Und auch davon, wie sich Kameradschaftlichkeit, Idealismus und Sexismus überlagern. Innerhalb einer vielschichtigen Partitur mit neuen Bildern des Krieges, Fragmenten aus Open-Source-Recherchen, persönlichen Briefen und klanglichen Landschaften öffnet sich ein Resonanzraum für das, was oft ungehört bleibt. Das Stück changiert zwischen der bitteren Erkenntnis, als Frau in einem hyper-patriarchalen System, dem Militär, gefangen zu sein, und der gleichzeitigen Unumstößlichkeit dieser Entscheidung. Magda Szpecht erzählt hier von einer Künstlerin, die zur Soldatin wird. Sie tastet sich durch den Alltag des Krieges, rekonstruiert Rituale, Widersprüche, Erschöpfung – und stellt die alles durchziehende Frage: Wer beansprucht ihren Körper?