© Alexander Paul Englert
„Wir haben die Angst verloren, wir haben nichts mehr zu verlieren“, bringt der Sprechchor irgendwann die Erkenntnis der Frauen auf den Punkt, die von den Taten vermeintlicher Heroen erzählen. Das tun sie trotz aller ihnen widerfahrenen Grausamkeiten mit Ironie und bissigen Seitenhieben – begleitet von imposanten 3-D-Videoanimationen und eigens komponierter elektronischer Musik. In Zeiten, in denen die männliche Hybris weltweit demokratische Strukturen zerstört und Geschlechtergleichheit unterminiert, bringt Regisseurin und Autorin Barbara Englert ein beeindruckendes Kontra auf die Bühne. Homers Schilderung des trojanischen Krieges wird zu einer ebenso packenden wie kurzweiligen Inszenierung, die mit Brücken zur Gegenwart auch allerhand Denkanstöße liefert. Verweise auf die unsägliche Lage der Frauen wie etwa in Iran und Afghanistan, den Fall der Französin Gisèle Pelicot oder die steigende Zahl von Femiziden machen deutlich, für welche Gräueltaten noch immer die männlichen Allmachtsfantasien verantwortlich sind. Vom Ensemble mitreißend gespielt, erhält das Stück zu Recht anhaltenden Applaus.
>> 17./18./19./21.8., Jugendkulturkirche Sankt Peter, Frankfurt, 19 Uhr, 20 €, erm. 5/15 €, Infos & Tickets: sanktpeter.com