© Laura Nicke
Anlässlich der geplanten Verfilmung ihres Lebens treffen drei Diktatorengattinnen aufeinander, um Journalist:innen Rede und Antwort zu stehen. Zuvor macht Dolmetscher Gottfried die Damen miteinander bekannt. Wie sich schnell zeigt, kein einfacher Job. Die bieder-strenge Margot Honecker, ihr aufgedonnertes Gegenteil Imelda, die Witwe des philippinischen Regenten Marcos, und die dezent elegante Leila, die die Ehefrauen nordafrikanischer Diktatoren verkörpert, sind sich feindlich gesonnen. Weil die Frontenbildung den um Eintracht bemühten Gottfried zunehmend verzweifeln lässt, verfälscht er das Gesagte und übersetzt in seinem Sinne. Das bleibt freilich nicht unbemerkt. Die Eitelkeit der noch immer die Gräueltaten ihrer Gatten verherrlichenden Damen ufert in bösartig-groteske Wortgefechte und Attacken gegen den Dolmetscher aus. Vom Ensemble mitreißend gespielt, gerät das eskalierende Treffen zur gelungenen Posse, die nur den Bezug zur heutigen Zeit missen lässt. Dabei hätte Theresia Walsers 2013 uraufgeführte Komödie reichlich Stoff für Anspielungen auf das bedrohlich wachsende Diktatorengehabe der Gegenwart geliefert.
>> 6., 25.6., Schauspiel Frankfurt, Kammerspiele, 20 Uhr, 15.6., 20 Uhr (Theatertag, alle Plätze 14, erm, 9 €), 19.6., 19.30 Uhr, 15-46 €, erm. die Hälfte, Infos & Tickets: (069) 212 49494, schauspielfrankfurt.de