© Felix Holland
„Was soll ich bloß sagen?“ Bei der Dankesrede für die Verleihung des renommierten dänischen Sonning-Preises hadert Hannah Arendt mit dem Schreiben. Ihr bleibt dafür nur noch eine Nacht. In der wird sie zu den Stationen ihrer Flucht aus Nazideutschland und in emotionale Tiefen katapultiert. Im Kopenhagener Hotelzimmer tauchen ihr verstorbener Mann Heinrich Blücher sowie Adolf Eichmann auf. Später begegnet sie Gideon Hausner, dem Chefankläger des Jerusalemer Prozesses gegen den Organisator der Massendeportationen. Mit ihm gerät Hanna Arendt in einen heftigen Schlagabtausch über ihren „Bericht von der Banalität des Bösen“, der ihr differenziertes, auf simple Schwarz-Weiß-Zuordnungen verzichtendes Denken deutlich macht. In Zeiten wachsender Polarisierung, totalitärer Bewegungen und einfacher Lösungen ist Rhea Lemans Drama ein geradezu maßgeschneidertes Stück. Zumal das eindringlich-packende Spiel von Bettina Kaminski, Adrian Scherschel und Ives Pancera keinen Zweifel lässt, wie wichtig auch heute genaues Hinschauen, reflektiertes Denken und das Ablegen von Scheuklappen ist. Die Inszenierung erntet zu Recht anhaltenden Applaus.
>> 17./18./25.4., Freies Schauspiel Ensemble, TITANIA, Frankfurt, 20 Uhr, 26.4., 18 Uhr, 20-25 €, erm. 10 €, Frankfurt-Pass 5 €, Infos & Tickets: (069)719 130 20, freiesschauspiel.de